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Zukunft · 23. Oktober 2024

KI 2030: Arbeit, Bildung, Gesundheit - alles wird anders?

Ein Blick nach vorn auf den Einfluss von KI auf Wirtschaft, Politik, Bildung und Gesundheit bis 2030 - und warum wir die Zukunft jetzt aktiv mitgestalten müssen.

Man muss dieser Tage schon ein wenig aufpassen, dass man vor lauter täglicher Neuigkeiten zu (generativer) künstlicher Intelligenz nicht den Blick in Richtung Zukunft aus den Augen verliert. So wichtig auch eine Einschätzung zur aktuellen Situation und kurz dahinter ist: um Herausforderungen schon heute zu antizipieren und sich entsprechend darauf vorbereiten zu können, hilft ab und zu ein weiterer Blick nach vorn. Und genau das wollen wir heute einmal angehen, völlig subjektiv nach vorne schauen - mit besonderem Fokus auf die Frage nach dem potentiellen Einfluss künstlicher Intelligenz auf Politik und Sozioökonomie im Jahr 2030. Jemand, der schon immer weit in der Zukunft gedacht und gelebt hat, ist Ray Kurzweil, US-amerikanischer Autor, Erfinder, Futurist und Leiter der technischen Entwicklung bei Google LLC. Er ist überzeugt:

“In den 2030er Jahren wird der nicht-biologische Teil unserer Intelligenz überwiegen.”

Sollte er mit seiner gewagten Hypothese Recht behalten, würden seine Worte die Bedeutung und Dringlichkeit unseres heutigen Themas auf den Punkt bringen. Denn eines ist mittlerweile auch den größten Zweiflern klar geworden: wie auch immer die Details aussehen werden, KI wird unsere Welt in den nächsten Jahren auf die eine oder andere Art und Weise massiv beeinflussen - aber wie soll das genauer aussehen? Lasst uns einmal vorsichtig nach vorne blicken und einen vagen Blick in die Zukunft wagen.

KI als Wirtschaftsmotor der Zukunft

Eines steht fest: KI wird bis 2030 zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor werden. Laut einer Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) könnte KI bis dahin rund 40% der weltweiten Arbeitsplätze beeinflussen. In fortgeschrittenen Volkswirtschaften könnten sogar 60% der Jobs betroffen sein.

Dabei wird KI nicht nur Arbeitsplätze ersetzen, sondern auch neue schaffen und die Produktivität steigern. McKinsey schätzt, dass KI das globale BIP bis 2030 um 1,2% jährlich anheben könnte. Das klingt zunächst nach wenig, summiert sich aber auf einen gewaltigen Betrag von 13 Billionen US-Dollar.

Andere Prognosen fallen noch optimistischer aus. So rechnete die Unternehmensberatung PwC bereits 2018 mit einem KI-bedingten BIP-Zuwachs von bis zu 14% oder 15,7 Billionen Dollar bis 2030. Das wäre ein enormer Wachstumsschub für die Weltwirtschaft.

Allerdings werden die wirtschaftlichen Auswirkungen regional sehr unterschiedlich ausfallen. Nordamerika und China dürften am meisten profitieren, während Entwicklungsländer zunächst weniger stark von KI profitieren werden. Das birgt die Gefahr einer weiteren Verschärfung globaler Ungleichheiten. Wo wird sich in den kommenden Jahren Europa positionieren?

Politische und gesellschaftliche Herausforderungen

Die rasante Entwicklung von KI wird nicht nur die Wirtschaft, sondern auch Politik und Gesellschaft vor große Herausforderungen stellen. Experten erwarten, dass KI-bedingte Jobverluste bis 2030 zu einem der meistdiskutierten politischen und sozialen Themen werden.

Andererseits werden durch KI auch neue Jobs entstehen. Laut einer HubSpot-Studie gaben zum Beispiel 67% der Befragten an, dass sich der Personalbestand in ihrer Abteilung durch KI erhöht habe. Doch dieser Prozess wird nicht reibungslos ablaufen. Viele Menschen werden sich umorientieren und weiterbilden müssen. Das wird zu Verunsicherung und möglicherweise auch zu sozialen Spannungen führen. Nachvollziehbar, schaut man auf eine Goldman-Sachs-Studie, laut derer bis zu 300 Millionen Vollzeitarbeitsplätze weltweit von KI-Automatisierung betroffen sein könnten.

Besonders gefährdet sind laut einer Studie von OpenAI und der University of Pennsylvania Berufe wie Buchhalter, Mathematiker, Programmierer, Dolmetscher und Texter.

Im Transportsektor sind Fahrer durch autonome Fahrzeuge bedroht. Unternehmen wie Uber kooperieren bereits mit Anbietern wie Waymo mit ersten selbstfahrenden Autos.

Im Telekommunikationssektor plant British Telecom den Abbau von 10.000 Stellen in 7 Jahren, teilweise durch KI-gestützte Kundendienst-Technologien.

Politiker werden gefordert sein, Lösungen für diese Herausforderungen zu finden. Konzepte wie ein bedingungsloses Grundeinkommen könnten von Randthemen zu konkreten Gesetzesvorhaben werden, schreibt Forbes. Wir alle werden intensiv darüber diskutieren müssen, wie die Vorteile von KI gerecht verteilt werden können.

Auch der Einsatz von KI in der Politik selbst wird zunehmen. Bei der US-Präsidentschaftswahl 2024 - die als erste “Deepfake-Wahl” gilt - bekommen wir momentan bereits einen Vorgeschmack auf das, was noch kommt. KI wird für Wahlkampfstrategien, Wähleranalysen und politische Kommunikation genutzt werden. Das bietet Chancen für mehr Bürgerbeteiligung, birgt aber auch Risiken wie Manipulation und Desinformation.

Bildung und Gesundheit im KI-Zeitalter

In zentralen Bereichen wie Bildung und Gesundheit wird KI bis 2030 ebenfalls tiefgreifende Veränderungen bewirken.

Im Bildungssektor ermöglicht KI personalisiertes Lernen und kann Lehrkräfte bei Routineaufgaben entlasten. Allerdings besteht die Gefahr, dass sich bestehende digitale Ungleichheiten verstärken. Nicht alle werden gleichermaßen Zugang zu KI-gestützten Bildungsangeboten haben.

Im Gesundheitswesen kann KI die Diagnostik verbessern und den Zugang zu medizinischer Versorgung erleichtern. Gleichzeitig müssen wir aufpassen, dass der Einsatz von KI nicht zu neuen Ungleichheiten im Gesundheitssystem führt.

In beiden Bereichen wird es darauf ankommen, die Potenziale von KI zu nutzen, für Chancengleichheit zu sorgen und gleichzeitig den Missbrauch dieser Technologien in den Griff zu bekommen.

Tipps und Tricks

  1. Ist schwer, muss aber sein: informiert euch regelmäßig über KI-Entwicklungen, um auf dem Laufenden zu bleiben. Kann ja auch einmal pro Woche sein.
  2. Keine Panik: bleibt kritisch gegenüber KI-generierten Inhalten und prüft Quellen sorgfältig, bevor ihr euch ins Bockshorn jagen lasst. Dass sich Angst besser verkauft als “good news”, sollte mittlerweile eine Binsenweisheit sein.
  3. Lieber heute anfangen als es morgen zu bereuen. Investiert ab sofort in eure digitalen Kompetenzen. So bleibt ihr fit für die KI-Zukunft und agil, sobald es Änderungen gibt.
  4. Egal in welchem Umfang. Ob mit Freunden, in der Familie oder mit euren Arbeitskolleg*innen: bringt euch ein und beteiligt euch an Diskussionen zur ethischen Gestaltung von KI. Jetzt haben wir noch eine Chance!
  5. Nichts geht über’s Ausprobieren. Denn nur so wisst ihr wirklich, was geht und was nur heiße Luft ist. Experimentiert selbst mit KI-Tools, um deren Potenziale und Grenzen kennenzulernen.

Gestaltung der KI-Zukunft: geht nur gemeinsam

Puh! Da kommt also einiges auf uns zu, wie wir lesen konnten. Und das ist sicherlich auch nur die Oberfläche. Die Entwicklung von KI bis 2030 bietet zwar enorme Chancen für Wirtschaft und Gesellschaft. Gleichzeitig stehen wir aber auch vor der Herausforderung, Risiken zu minimieren und für einen gerechten Ausgleich für alle zu sorgen.

Dafür braucht es kluge politische, juristische und auch gesellschaftliche Weichenstellungen. Die EU hat mit dem AI Act einen ersten regulatorischen Rahmen geschaffen. Doch weitere Schritte werden nötig sein, um KI-Innovationen zu fördern und gleichzeitig ethische Leitplanken zum Nutzen aller Bürger und der Wirtschaft zu setzen.

Vor allem aber sind WIR gefordert, die gesamte Gesellschaft! Wir haben nicht nur die Chance, sondern aus meiner Perspektive die Pflicht, unsere eigene KI-Zukunft aktiv mitzugestalten. Und wenn wir’s nicht für uns tun, dann doch wenigstens für die, die nach uns kommen. Da frage ich mich immer: in welche Welt möchte ich mein Kind entlassen und kann ich mich dann noch im Spiegel anblicken? Wir müssen uns mit den Chancen und Risiken von KI auseinandersetzen und in einen breiten Dialog darüber eintreten, wie wir leben und arbeiten wollen. Es gibt keine bessere Zeit als jetzt - nicht morgen oder “Ja, bald mal.”

Lasst uns die Entwicklung von KI also als Chance begreifen, unsere Gesellschaft zum Positiven zu verändern. Mit Weitblick, Kreativität und dem Willen zur Zusammenarbeit über Grenzen hinweg können wir eine Zukunft gestalten, in der KI dem Wohle aller dient.

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